1. Zweck dieser Notiz
MoorInnov (moorinnov.com) versteht sich als Atlas für Praktiker, Forscher und politische Entscheidungsträger und lädt ausdrücklich dazu ein, „unsere Methodik zu zitieren". Diese Notiz antwortet darauf: Sie dokumentiert präzise, was die Plattform misst, wie die Daten erhoben und verarbeitet werden und — entscheidend für einen verantwortungsvollen akademischen oder politischen Gebrauch — was die Plattform noch nicht misst.
Sie stützt sich auf ein Korpus von 27 Referenzartikeln und -berichten zur Theorie und Messung entrepreneurialer Ökosysteme (siehe Literaturverzeichnis) und wendet deren Rahmenwerke und Warnungen auf den tatsächlichen Datenstand von MoorInnov an — ohne das noch nicht Geleistete zu beschönigen.
2. Konzeptioneller Rahmen
MoorInnov übernimmt die inzwischen standardisierte Definition (Stam, 2015): Ein entrepreneurial ecosystem ist „eine Menge interdependenter Akteure und Faktoren, die so koordiniert sind, dass sie produktives Unternehmertum in einem bestimmten Territorium ermöglichen".
Stam und van de Ven (2021) operationalisieren dies in zehn systemischen Elementen (formale Institutionen, Kultur, physische Infrastruktur, Nachfrage, Netzwerke, Führung, Talent, Finanzierung, Wissen, Intermediäre), die durch starke Interdependenzen verbunden sind und entrepreneurial outputs (Gründungen, Finanzierungsrunden) sowie sozio-ökonomische outcomes (Beschäftigung, Wertschöpfung) hervorbringen.
Ein methodisch wichtiger Punkt (Wurth, Stam, Spigel 2022, 2023): Die meisten Rahmen unterscheiden klar zwischen Elementen/Bedingungen, Outputs und Outcomes. MoorInnov kartiert derzeit im Wesentlichen die Akteure und einen Teil der Elemente; Outputs (Überleben, Wachstum) und Outcomes (Arbeitsplätze, Wertschöpfung) werden noch nicht gemessen.
3. Akteurstaxonomie
Die von MoorInnov verwendeten zehn Kategorien (startup, investor, accelerator, incubator, hub, university, corporate, public_agency, ngo, event_org) wurden gewählt, um Attributen zu entsprechen, die in der Literatur als konstitutiv für ein Ökosystem gelten (Stam & van de Ven, 2021; Spigel, 2017), statt eine Ad-hoc-Nomenklatur zu sein.
Jeder Typ verweist auf ein systemisches Element. „startup“ ist das zentrale unternehmerische Ergebnis, das das Ökosystem hervorbringen soll (Nicotra et al., 2018). „investor“ liefert Kapital und bedingt das Überschreiten der Finanzierungsstufen (Finanzierung). „accelerator“ und „incubator“ strukturieren Ausbildung, Marktzugang und erstes Netzwerk (Unterstützung / Führung). „hub“ ist der physische Raum der Kopräsenz (Physische Infrastruktur). „university“ produziert Humankapital und mobilisierbares Wissen (Talent / Wissen). „corporate“ verkörpert Marktnachfrage, Vermittlung und manchmal Investition oder Übernahme (Nachfrage / Intermediäre). „public_agency“ verkörpert formale Institutionen: Regulierung, Zertifizierung, öffentliche Finanzierung (Stam, 2015). „ngo“ trägt Inklusion, Advocacy und unterstützende kulturelle Strukturen (Kultur — Welter et al., 2017). „event_org“ verdichtet das Netzwerk punktuell und verbreitet kulturelle Normen (Netzwerke / Kultur — Spigel, 2017).
4. Datenquellen (Ist-Zustand, Juli 2026)
Zum Zeitpunkt dieser Notiz aggregiert MoorInnov vier Korpora. Die ersten beiden sind öffentliche Sekundärquellen, per Web-Extraktion erfasst; die beiden folgenden sind offizielle Datensätze, die direkt bei der marokkanischen Agentur für Digitale Entwicklung (ADD) über das Portal data.gov.ma bezogen wurden. Es wurden keine Daten durch direkte Gespräche mit Gründerinnen und Gründern erhoben (siehe §9):
— OSE Connect — „Verzeichnis der Unterstützungsstrukturen": PDF-Verzeichnis mit 604 Strukturen (Beschleuniger, Inkubatoren, Universitäten, öffentliche Stellen, Coworking-Räume…), extrahiert im Juli 2026. — start-up.ma — Gemeinschaftsverzeichnis marokkanischer Startups: 65 Listing-Seiten vollständig durchlaufen im Juli 2026 (~580 Rohdatensätze), gefiltert auf 501 tatsächlich in Marokko ansässige Startups. — ADD Open Data — „BDD STARTUPS ADD 2024" (data.gov.ma): 1.028 Rohdatensätze aus vier kombinierten offiziellen Programmen — Label „Jeune Entreprise Innovante" (JEI 2024, n=500, siehe §7bis), Startup Hub Maroc (n=228) und die Kohorten GITEX Africa Morocco 100 (n=100) und 200 (n=200). Nach interner Deduplizierung und Abgleich mit den 501 bereits erfassten Startups wurden 646 neue Startups identifiziert. — ADD Open Data — „Daten zu Initiativträgern" (Juli 2023): offizielle Liste von 39 von ADD anerkannten Unterstützungsstrukturen (ESO). Nach Abgleich mit den 517 bereits katalogisierten Strukturen wurden 24 neue identifiziert und in die 10-Typen-Taxonomie eingeordnet (§3).
Die ersten beiden Quellen sind selbst Dritt-Aggregatoren, keine offiziellen Register; ihre Genauigkeit wurde nicht unabhängig geprüft. Die beiden ADD-Quellen stammen dagegen direkt von einer öffentlichen Stelle und genießen entsprechend höheres Vertrauen — ohne jedoch eine erschöpfende Erhebung des Ökosystems darzustellen (siehe §7bis zum tatsächlichen Umfang des JEI-Labels).
5. Verarbeitungspipeline
— Textextraktion (PDF → strukturierter Text; HTML-Seiten → strukturierte Einträge). — Klassifizierung nach Typ: Kategorien der Quellsites wurden auf die 10-Typen-Taxonomie abgebildet; eine manuelle Überprüfung korrigierte 23 Fehlklassifikationen. — Deduplizierung nach normalisiertem Namen. — Geokodierung nur auf Stadtebene über Google Places, mit einem kleinen zufälligen Versatz (~150 m). — Dokumentierte Ausschlüsse: 18 Einträge ohne identifizierbare Stadt, 60 nicht-marokkanisch, 56 Einträge, deren Quelltyp keiner der 10 Kategorien entspricht. — Abgleich mit den ADD-Datensätzen (Juli 2026): Deduplizierung gegen die 501 bereits erfassten Startups und 517 Strukturen; neue Einträge erhalten eine explizite Herkunftsangabe in ihrer Beschreibung (z. B. „Von ADD gelistet: Morocco 200"), um die offizielle Quelle nachvollziehbar zu machen, ohne sie mit einer unabhängigen Prüfung durch MoorInnov zu verwechseln.
6. Bekannte Grenzen und Verzerrungen
Geografische Konzentration. Die Überrepräsentation von Casablanca und Rabat spiegelt sowohl eine reale, gut dokumentierte Konzentration in afrikanischen Ökosystemen wider (Herrington & Coduras, 2019) als auch einen Abdeckungsbias der beiden Quellverzeichnisse, die selbst in diesen beiden Städten aktiver sind.
Aktualität des Status. Der Status „aktiv“ spiegelt das letzte Update der Quelle wider, keine unabhängige Verifikation; Einstellungsdaten fehlen häufig.
Fehlen von Finanzierungsdaten. MoorInnov unterscheidet noch nicht zwischen gut finanzierten und anderen Akteuren, noch zwischen lokalem und ausländischem Kapital — eine erhebliche Lücke angesichts von Colonnelli, Cruz, Pereira-Lopez, Porzio und Zhao (2026), die zeigen, dass rund 80% der Venture-Deals in Afrika einen ausländischen Investor beteiligen und mehr als 60% der finanzierten Gründer außerhalb des Kontinents studiert oder gearbeitet haben — ein Muster, das MoorInnov für den marokkanischen Fall noch nicht testen kann.
Fehlen relationaler Daten (bis heute). Wer in wen investiert hat, wer wen beschleunigt hat: diese Schicht existiert noch nicht. Die Methode zur Berechnung der „Connectivity“, sobald diese Daten verfügbar sind, ist in 11.4 dokumentiert; sie bleibt nicht messbar, solange die relationships-Tabelle nicht gefüllt ist.
Fehlen probabilistischer Stichproben. Anders als der Global Entrepreneurship Monitor (Reynolds et al., 2005; Bosma, 2013) ist MoorInnov ein Verzeichnis von Akteuren, die sich auf Fachwebsites sichtbar gemacht haben — ein Selbstauswahl-Bias, der digital sichtbare, urbane und frankophone/anglophone Organisationen begünstigt.
Sprachabdeckung. Die Quellen sind auf Französisch und Englisch; nur auf Arabisch oder Tamazight referenzierte Strukturen sind wahrscheinlich unterrepräsentiert.
7. Was MoorInnov nicht ist
Für einen verantwortungsvollen akademischen oder politischen Gebrauch ist es hilfreich, MoorInnov in Bezug auf bestehende Standards zu verorten:
— Es ist kein vollständiges offizielles „Startup Act"-Register. Anders als Tunesien (Sold, 2018; Ali, Calì und Rijkers, 2025), Italien (Menon et al., 2018) oder Nigeria (Stever, 2023) verfügt Marokko über keinen breiten Rechtsstatus mit umfangreichen Steuerbefreiungen für gelabelte Startups. Es gibt jedoch ein engeres Instrument, in §7bis erläutert, das MoorInnov nun teilweise abgleichen kann. — Es ist keine repräsentative GEM-Umfrage (Bosma, 2013; Reynolds et al., 2005). — Es ist (noch) kein validierter Ökosystem-Qualitätsindex. Leendertse, Schrijvers und Stam (2022) sowie Stam et al. (2026) bauen zusammengesetzte Indizes aus mehreren gekreuzten Datenströmen. Der zukünftige Ecosystem Vitality Index von MoorInnov (§11) wird erst robust sein, wenn Finanzierungs- und Beziehungsdaten tatsächlich erhoben sind. — Es ist jedoch ein systematisches, reproduzierbares, kontinuierlich korrigierbares Akteursverzeichnis — im Geiste am nächsten am Startup Cartography Project (Andrews et al., 2022).
7bis. Präzisierung: das Label „Jeune Entreprise Innovante" (JEI)
Die Version 1.0 dieser Notiz besagte, Marokko verfüge über kein gesetzliches Register gelabelter Startups. Diese Aussage ist zu präzisieren. Seit dem 18. September 2019 vergibt ADD ein offizielles Label „Jeune Entreprise Innovante (JEI) in neuen Technologien", in Partnerschaft mit dem Devisenamt, OMPIC, der Zentralen Garantie-Kasse, CGEM, APEBI und GPBM. Das Label gewährt vor allem eine Erleichterung der Devisenkontrolle (Zahlung per internationaler Karte bis zu 1.000.000 MAD pro Jahr für den Kauf digitaler Dienste im Ausland), keinen breiten Steuerregime wie der tunesische Startup Act. Zwischen 2019 und September 2023 wurden 398 Unternehmen JEI-gelabelt.
Der im Juli 2026 in MoorInnov integrierte ADD-Datensatz (§4) enthält 500 als „JEI 2024" markierte Einheiten. MoorInnov kann jedoch nicht garantieren, dass dieses Tag einen zum Zeitpunkt der Abfrage aktiven JEI-Status widerspiegelt (das Label ist zeitlich befristet und kann entzogen werden): Es wird als deklarative Herkunftsangabe behandelt, gleichrangig mit anderen Quell-Tags (Morocco 100/200, Startup Hub Maroc), und nicht als Prüfung eines aktuell gültigen Rechtsstatus.
8. Vorbehalt „produktiv / unproduktiv"
Laut Baumol (1990) und Lucas und Fuller (2017) ist unternehmerische Aktivität nicht intrinsisch nutzbringend: ihr sozialer Wert hängt vom institutionellen Kontext und der Verteilung des unternehmerischen Einsatzes zwischen produktiven, unproduktiven oder gar destruktiven Aktivitäten ab. Scott (2025) geht weiter und argumentiert, dass ein Ökosystem ohne Schutzmechanismen und geteilte Tugend die „dunkle Seite“ des Unternehmertums fördern kann.
Die Präsenz einer Entität im MoorInnov-Atlas ist daher deskriptiv, nicht bewertend: sie signalisiert, dass eine Entität innerhalb der Ökosystem-Taxonomie existiert und sich identifiziert — nicht, dass ihre Aktivität sozialen Nettonutzen erzeugt, noch dass sie irgendeinen rechtlichen, ethischen oder Governance-Standard erfüllt. Dieser Vorbehalt sollte explizit auf der Website erscheinen, insbesondere für politische Entscheidungsträger, die versucht sein könnten, Präsenz im Verzeichnis als Qualitätssiegel zu lesen.
9. Abweichung zum aktuellen /about-Text
Die Seite moorinnov.com/about behauptet derzeit, dass „jeder Akteur vor Veröffentlichung von Ökosystem-Beitragenden geprüft wird", dass „Datensätze primäre Interviews mit Gründern, öffentliche regulatorische Einreichungen und offene Daten kombinieren" und dass „Kapital- und Personalzahlen quartalsweise aktualisiert werden". Keine dieser drei Aussagen entspricht in diesem Stadium der tatsächlich implementierten Pipeline (§4–§5).
Empfehlung: Ersatz durch einen an dieser Notiz ausgerichteten Text (etwa mit direktem Verweis auf dieses herunterladbare Dokument, wie es die Referenzplattformen tun — Andrews et al., 2022; Stam et al., 2026), wobei die drei fehlenden Elemente als Roadmap angekündigt werden, nicht als vollzogene Tatsache.
10. Aktualisierungsrhythmus und Korrekturmechanismus
Aktueller Stand: einmalige Extraktion (Juli 2026), ohne automatisiertes Refresh. Das Formular „Submit an actor" existiert für Community-Korrekturen, aber Einreichungen folgen noch keinem formalisierten Verifikationskreislauf. Dieser Zustand ist explizit zu kommunizieren, bis ein echter Prüfprozess etabliert ist.
11. Ecosystem Vitality Index — detaillierte Berechnungsmethode
Dieser Abschnitt dokumentiert erstmals vollständig die Berechnungsmethode des künftigen regionalen Ecosystem Vitality Index. Er ersetzt und detailliert, was zuvor nur eine Absicht war.
11.1 Rahmen und Begründung. Der Index folgt dem Density–Fluidity–Connectivity–Diversity (DFCD)-Rahmen der Kauffman Foundation (Bell-Masterson & Stangler, 2015), ergänzt um eine fünfte Dimension, Transparency (siehe 11.6), begründet von Johnson, Hemmatian, Lanahan und Joshi (2022). Drei methodologische Entscheidungen strukturieren die gesamte Berechnung: (1) Aggregation mit geometrischem Mittel, nie arithmetisch — ein schwaches Glied muss das Ganze bestrafen („Penalty for Bottleneck“ — Almeida & Daniel, 2025); (2) Min-Max-Normalisierung, in jeder Periode neu berechnet; (3) 12-Monats-Gleitfenster, monatlich neu berechnet — konsistent mit Belfanti, Riva und Alberti (2025).
11.2 Density. Bestandsmaß: Anzahl aktiver Akteure, netto Schließungen, pro 100 000 Einwohner, wenn die regionale Bevölkerung bekannt ist.
11.3 Fluidity. Flussmaß — die Vitalität eines Ökosystems zeigt sich in seiner Erneuerung. Vier normalisierte und gemittelte Signale: Gründungsrate, Finanzierungsgeschwindigkeit, Stufenprogression und Diaspora-Zufluss — ein Talentrückkehr-Signal im Sinne von Stam und van de Ven (2021) und Audretsch, Fiedler, Fath und Verreynne (2024).
11.4 Connectivity. Das relationale Signal, begründet von Johnson, Hemmatian, Lanahan und Joshi (2022). Zwei Komponenten: Netzwerkdichte und durchschnittliche Investorensyndizierung pro funding_round.
11.5 Diversity. Shannon-Entropie auf den kategorialen Feldern aktiver Akteure — sectors, type und stage — normalisiertes Mittel der drei Entropien (0 = homogen, 100 = perfekt diversifiziert).
11.6 Transparency (neue Dimension). Hinzugefügt, um Governance-Reife und Vertrauen zu messen — ein indirektes Signal institutioneller Qualität im Sinne von Acemoglu und Robinson (2012). Theoretische Begründung: ein Ökosystem ist nur messbar, wenn seine Akteure freiwillig ihre Daten offenlegen (Johnson et al., 2022), und was ein unternehmerisches Ökosystem von einem klassischen Industriecluster unterscheidet, ist gerade die Präsenz freiwilliger Wissens-Spillovers (Autio, Nambisan, Thomas & Wright, 2018). Vier Subkomponenten, geometrisches Mittel: Profilvollständigkeit, Finanzoffenlegungsrate, Verifikationsrate und Engagement-Score (Mittel aus Claim-Rate, Selbstpflege-Rate und Open-Data-Teilnahme). Wie in §8 erinnert, misst Transparency nicht die intrinsische Qualität eines Akteurs, sondern nur die Menge und Verlässlichkeit der über ihn verfügbaren Daten. Er hängt direkt vom „Claim this listing“-Mechanismus ab — ohne ihn bleibt er unbegrenzt nahe null.
11.7 Zusammengesetzte Aggregation und Umgang mit fehlenden Daten. Composite-Score = geometrisches Mittel der fünf Scores, mit gleicher Gewichtung (1/5) standardmäßig. Jeder Score erfasst zudem ein data_coverage-Feld. Eine Region ohne funding_rounds muss einen Fluidity-Subscore mit „geringes Vertrauen“ anzeigen, nie eine bloße 0. Zwei Regionen dürfen nicht ohne explizite visuelle Warnung verglichen werden, wenn ihr data_coverage um mehr als 30 Punkte abweicht.
11.8 Roadmap. Sobald funding_rounds, relationships und actor_claims tatsächlich gefüllt sind, muss diese Methode mit Stam, Nkontwana, McDonald, Murenzi, Addo, Bayuo, Baah, Riezebos und Gelissen (2026) abgeglichen werden — die geografisch nächstgelegene Referenz. Die von Crotti, Potter, Shah und Stam (2025) für die OECD dokumentierte methodologische Sequenz bleibt die maßgebliche Referenz.
12. Beziehungskarte pro Akteur (Ecosystem Map)
Dieser Abschnitt dokumentiert eine geplante Erweiterung von MoorInnov: eine akteursbezogene Beziehungssicht, die zeigt, mit wem ein Akteur zusammenarbeitet, mit wem er verbunden ist (Investition, Mentoring, Alumni) und ggf. seine öffentlich offengelegten Familienbeziehungen.
12.1 Theoretische Verankerung. Spigel (2017) hält fest, dass ein unternehmerisches Ökosystem grundsätzlich relational ist. Drei Präzisierungen rechtfertigen die Aufnahme öffentlich bekannter Familienbeziehungen: Benavides-Salazar, Iturralde & Maseda (2021) zeigen, dass unternehmerische Familien die Ökosystementwicklung über familiäres Sozialkapital prägen; Ge, Stanley, Eddleston & Kellermanns (2019) zeigen, dass Familienbeziehungen in Schwellenmärkten — Kontext direkt relevant für Marokko — häufig schwache formale Institutionen kompensieren; Arrégle et al. (2015) belegen, dass der Zusammenhang zwischen Dichte familiärer Bindungen und Unternehmenswachstum kurvilinear ist — jenseits einer Schwelle kann eine hohe Dichte schaden. Die Karte bleibt strikt deskriptiv, nie ein Qualitätsscore, im Einklang mit §8.
12.2 Datenschema. Drei neue Tabellen: people (Personen — Gründer, Führungskräfte, Mentoren), affiliations (Person↔Organisation, mit Rolle und Zeitraum), people_relationships (Person↔Person — Mitgründung, Mentoring, Alumni, Familienbeziehungen). Die für den Vitality Index vorgesehene Tabelle relationships (Organisation↔Organisation) bleibt unverändert.
12.3 Erhebungsmethode. Das Scraping von LinkedIn oder anderen sozialen Netzwerken ist ausdrücklich ausgeschlossen. Drei legitime Kanäle nach abnehmender Zuverlässigkeit: Selbstdeklaration über eine Erweiterung des „Claim this listing“-Mechanismus (§11.6); gezielte Presserecherche mit der strengen Regel, dass eine Familienbeziehung nur erfasst wird, wenn eine Quelle eine ausdrückliche öffentliche Aussage der Person selbst berichtet — nie aus einem gemeinsamen Nachnamen abgeleitet; und offizielle Finanzierungsankündigungen, die Gründer und Investoren nennen.
12.4 Ethische und datenschutzrechtliche Leitplanken. Vier nicht verhandelbare Regeln: keine Ableitung einer Familienbeziehung aus Nachnamen, Foto oder anderen indirekten Hinweisen; nicht verifizierte Familienbeziehung wird standardmäßig nicht öffentlich angezeigt; jede betroffene Person (oder ihre Erben) kann die Entfernung ohne Begründung verlangen, im Einklang mit dem marokkanischen Gesetz Nr. 09-08 zum Schutz personenbezogener Daten (Aufsicht: CNDP); eine dokumentierte Familienbeziehung bedeutet weder Begünstigung noch Interessenkonflikt noch Werturteil — der gleiche deskriptive Vorbehalt wie in §8, deutlich neben jeder angezeigten Verbindung.
12.5 Aufbau der Karte. Für einen Akteur kombiniert die Karte direkte Organisation↔Organisation-Verbindungen und über affiliierte Personen vermittelte Verbindungen. Standardmäßig auf zwei Trennungsgrade begrenzt.
Literaturverzeichnis
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